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[vɔʁt]
«Die Texte von Steff Fischer sind emotional griffig und bleiben im Gedächtnis haften. Sie sind bissig und unerträglich wahr. Diese Kolumne bietet uns eine geistige Plattform zum Verweilen - während wir der Dinge harren die da kommen. »
Steff Fischer über sich selbst:
Aufgewachsen bin ich in Fällanden beim Greifensee im Zürcher Unterland. Fällanden war damals in den 1960er Jahren ein verschlafenes Bauerndorf. Mein Vater betrieb die Dorf-Sattlerei und meine Mutter war die perfekte Hausfrau. Als Haushalts-Lehrmeisterin bildete sie junge Mädchen aus für ihre spätere Berufung als Hausfrauen. Auch mein Vater hatte eine Leidenschaft, er war nebst seinem Beruf begeisteter Theaterregisseur und Schauspieler. Mein Vater war Schöngeist, meine Mutter die knallharte Managerin. Eine ideale Grundlage für meinen späteren Lebensverlauf. Schon bald wurde mir aber Fällanden zu eng und ich zog, noch während meiner Buchhändlerlehre, nach Zürich. In den 1970er Jahren herrschte der Kalte Krieg.Die Kubakrise im Jahr 1962 machte einer breiten Öffentlichkeit die ungeheuren Gefahren eines Atomkrieges bewusst. Und in der damaligen Bundesrepublik mordete die RAF. Es war kalt damals, bitterkalt. Hass gegen Andersdenkende prägte die Gesellschaft. Aufmüpfigen wurde beschieden, sie sollen ein Ticket ‚Moskau einfach’ lösen. Ich hatte lange Haare, trug Lederjacken und zerschlissene Jeans. Ich las Brecht, Dürrenmatt, Marx, Engels. Der stadtbekannte Buchhändler Theo Pinkus schulte uns junge Buchhändler in Sozialismus und Kommunismus. Ich organisierte Streiks und Sit-ins an der Buchhändlerschule. Nachts klebte ich Traktate mit Aufrufen zum Umsturz an Zürcher Wände. Und dann kam der Frühling 1980. Die Stadt brannte und ich mitten drin. Der damalige Zürcher Stadtrat ordnete mich der sogenannten ‚Bewegungselite‘ zu. Ich war Rädelsführer, trat an den Vollversammlungen der Bewegung auf. Ich organisierte Demonstrationen und Hausbesetzungen.
Dann vergingen die Jahre. Ich wohnte gewohnheitsmässig in besetzen Häusern, arbeitete in einer linken Buchhandlung und bestritt meinen Lebensunterhalt mit Treppenhaus- und Büroreinigungen. Als ich 40 wurde realisierte ich, dass mein bisheriger Lebenswandel kein nachhaltiges Geschäftsmodell war. Ich konnte Politik, ich konnte Organisation. Was tun? Ich entschied, freier Unternehmer zum werden. In der Immobilienbranche, weil ich als Hausbesetzer Erfahrungen im Umgang mit Gebäuden hatte. Ich gründete eine Einzelfirma, die spätere Fischer AG Immobilienmanagement. Die Firma hatte Erfolg und wuchs kräftig an. Als ich meine exekutiven Aufgaben Anfang dieses Jahres an meine Führungscrew übergab, zählte die Unternehmung 40 Mitarbeitende und erzielte einen Jahresumsatz von rund CHF 3.5 Mio.
Dieses Jahr wurde ich also zum Privatmann und führe das Leben eines Dandys. Ich habe Zeit und denke viel nach, über mich, über die Welt. Selbsterkenntnis ist Welterkenntnis. Oder: Es isch nu schön, wenn‘s schön isch. Eine echte Herausforderung. Das Schöne zu finden. Und so kam mir die Idee, Kolumnen zu schreiben. Mein Nachdenken zu teilen. Das Schöne zu propagieren und dem Hässlichen etwas entgegenzusetzen. Ich werde authentisch sein und mir werden die Herzen zufliegen und man wird mich in die Hölle wünschen.
Talk turkey.